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Investoren werden selektiver – was das für dein Fundraising bedeutet

Investoren werden selektiver — was das für dein Fundraising bedeutet und wie du dich darauf vorbereitest.

Vanessa FischerVanessa Fischer
13. April 2026 · 7 Min. Lesezeit
Investoren werden selektiver – was das für dein Fundraising bedeutet

Du schaust auf deine Finanzplanung und fragst dich: „Wie bereite ich mich auf eine Fundraising-Runde vor, wenn Investoren plötzlich viel strenger geworden sind?“ Der europäische VC-Markt verändert sich. Das Kapital ist da – aber die Investoren sind weniger spekulativ und schauen deutlich genauer auf belastbare Zahlen. Wer heute eine Finanzierungsrunde plant, trifft auf Partner, die nicht nur eine gute Idee, sondern stabile Fundamenten wollen.

Das ist weniger Pessimismus, mehr Realität: Nach Korrektionen und fehlgeschlagenen Exits sind Investoren vorsichtiger geworden. Das bedeutet für dich konkret: längere Prozesse, niedrigere Deal-Volumen und nur noch Gründer mit solider Vorbereitung. Wer zu früh in den Markt geht, verschwendet Kontakte und Glaubwürdigkeit.

Aber es gibt auch gute Nachrichten – neue Fonds sammeln Milliarden, allerdings für spezifische Bereiche wie Deep Tech, Climate und Industrial Innovation. Und die Gründer, die wissen, wie sie sich vorbereiten, finden immer noch Kapital. Die Frage ist nicht mehr „Geht Fundraising überhaupt?“, sondern „Bin ich wirklich vorbereitet?“

Kapital ist vorhanden, wird aber gezielter eingesetzt

Die großen Fonds haben nach wie vor Kapital zu investieren. Trotzdem dauern Prozesse länger, Deal-Volumen sinken und die Zahl der abgeschlossenen Runden geht zurück. Der Grund liegt nicht in fehlendem Kapital, sondern in veränderten Risikokalkülen. Investoren haben erlebt, wie Bewertungen korrigiert wurden und Exits ausblieben. Das führt zu mehr Zurückhaltung – nicht aus Pessimismus, sondern aus Erfahrung.

Vorbereitung ist wichtiger als Timing

Viele Gründer glauben, dass Fundraising vor allem eine Frage des richtigen Zeitpunkts ist. Wichtiger ist die Frage, ob die Datenlage eine Finanzierung rechtfertigt. Wer zu früh in den Markt geht, verschwendet Kontakte und verliert Glaubwürdigkeit.

Eine gute Vorbereitung bedeutet: transparente Kennzahlen, eine nachvollziehbare Finanzplanung, ein realistisches Szenario für die nächsten 18 bis 24 Monate und eine klare Vorstellung davon, wofür das Kapital eingesetzt wird.


Investor-Fit wird zur Kernfrage

Wenn Kapital selektiver vergeben wird, lohnt es sich, gezielt nach Investoren zu suchen, die das eigene Geschäftsmodell verstehen und einen Mehrwert jenseits des Kapitals bieten können. Weniger Masse, mehr Fokus. Statt 50 Investoren anzuschreiben, kann es sinnvoller sein, zehn gezielt auszuwählen und mit diesen in einen qualitativ hochwertigen Dialog zu treten.

Referenzen und Netzwerke spielen eine größere Rolle. Warm Intros über bestehende Portfolio-Gründer oder Co-Investoren öffnen Türen schneller als Cold Outreach.

Typische Fehler im aktuellen Umfeld

Drei Fehler tauchen immer wieder auf: zu spätes Starten des Prozesses, unrealistische Bewertungserwartungen und fehlende Klarheit über die eigenen Schwächen.

Wer erst dann mit der Finanzierung beginnt, wenn die Runway unter sechs Monate fällt, setzt sich unter Zeitdruck und verliert Verhandlungsspielraum. Bewertungen orientieren sich nicht mehr nur an vergleichbaren Runden aus den Vorjahren. Und Investoren schätzen Ehrlichkeit – wer die eigenen Herausforderungen klar benennen kann, gewinnt mehr Vertrauen.

Neue Fonds 2025: Kapital ist da, aber gezielter investiert

Europäische VCs sammelten im ersten Halbjahr 2025 rund 5 Milliarden Euro für neue Fonds. Die Fokussierung ist eindeutig: FORWARD.one startete einen 200-Millionen-Euro-Fonds für Halbleiter, Climate Tech und Robotik. Serena Capital sammelte 200 Millionen Euro für angewandte KI und Energiewende. Die NRW.BANK legte den NRW.Venture EU Tech&Scale Fonds mit bis zu 200 Millionen Euro auf.

Deep Tech, Climate, Defence und Industrial Innovation dominieren die neuen Fondsstrategien. Consumer-Investments machen bei den 100 aktivsten VC-Firmen nur noch 6 Prozent aus – halb so viel wie vor zwei Jahren.

Die aktivsten Investoren im deutschsprachigen Raum

Im zweiten Quartal 2025 führte der High-Tech Gründerfonds (HTGF) mit 16 Beteiligungen, gefolgt von HV Capital (12 Deals), Bayern Kapital (11) und Project A (10). Die aktivsten Investoren sind überwiegend europäisch – das bedeutet für Gründer: Der Fokus sollte zunächst auf lokalen VCs liegen, die den Markt verstehen und entsprechende Netzwerke mitbringen.

Was Gründer konkret tun sollten

Checkliste: Fundraising-Vorbereitung in 6 Schritten

  1. Datenlage aufbereiten (4–6 Wochen vorher)
    Alle relevanten Kennzahlen dokumentieren: MRR/ARR, CAC, Churn Rate, Burn Rate, Runway. Mit Kontext versehen.
  2. Finanzplanung erstellen (3–4 Wochen vorher)
    Drei Szenarien (konservativ, realistisch, optimistisch) für die nächsten 18 bis 24 Monate durchspielen.
  3. Investor-Profil definieren (2–3 Wochen vorher)
    Kriterien festlegen: Phase, Ticket-Größe, Branchen-Expertise, geografischer Fokus. Longlist auf 10 bis 15 Zielkontakte reduzieren.
  4. Pitch-Materialien finalisieren (2 Wochen vorher)
    Deck, Teaser und Executive Summary konsistent aufeinander abstimmen.
  5. Warm Intros organisieren (1–2 Wochen vorher)
    Netzwerk aktivieren: Portfolio-Gründer, Business Angels, Co-Investoren kontaktieren.
  6. Prozess starten und parallel führen
    Zeitgleich mit mehreren Investoren in den Dialog gehen. Das erhöht die Vergleichbarkeit und reduziert Zeitverlust.
Kriterium Seed-Phase Series A Series B+
Umsatz Erste Zahlungen erwünscht MRR > 50k€/Monat ARR > 2 Mio. €
Wachstum Monatliches Wachstum sichtbar 10–15 % MoM Growth 3x YoY Growth
Team Gründer mit Domain-Expertise vollständiges C-Level skalierbare Strukturen
Markt TAM > 1 Mrd. € erste Marktanteile messbar klarer Wettbewerbsvorteil
Burn Rate Runway > 18 Monate Runway > 15 Monate Path to Profitability erkennbar

Die Zahlen sind Richtwerte und variieren je nach Markt und Geschäftsmodell. Aber sie zeigen die Richtung: Je später die Phase, desto stärker die Erwartung an messbare Ergebnisse.

Das aktuelle Umfeld ist anspruchsvoller, aber nicht aussichtslos. Gute Unternehmen mit soliden Fundamenten finden weiterhin Kapital – wenn sie die richtigen Investoren ansprechen und ihre Fundamente sichtbar machen.



Häufige Fragen

Ja. Die Bewertungen sind gesunken, Due Diligence dauert länger und Investoren fokussieren stärker auf Profitabilität und Unit Economics statt reines Wachstum.

Bessere Vorbereitung: solider Finanzplan, klare Unit Economics, Traction nachweisen und gezielt die richtigen Investoren ansprechen statt Spray-and-pray.

Burn Multiple, CAC Payback Period, Net Revenue Retention und der Weg zur Profitabilität. Reines Umsatzwachstum ohne Effizienz reicht nicht mehr.

Nicht unbedingt — aber ein Zeitpunkt der bessere Vorbereitung erfordert. Gut vorbereitete Startups mit klaren Zahlen sammeln weiterhin Kapital ein.

Vanessa Fischer
Vanessa Fischer — Founder & Investor, UpXcale

15+ Jahre Private Equity, Venture Capital & Investment Banking. Hat mehr als 150 Startups im DACH-Raum von Pre-Seed bis Series A begleitet.

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